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Bye Bye Paradise...

Wir sind nun mittlerweile 3 Monate auf Antigua und haben uns gut eingelebt. Die Seglergemeinde kennt sich untereinander und die Gegend ist auch bekannt. Fast schon wie ein zweites Zuhause. Die Gedanken kreisen aber immer um die kommende Hurrican-Saison und die Möglichkeiten dieser auszuweichen. Es müssen Lösungen her. Wir haben viele Optionen im Kopf, die sich täglich ändern. Einerseits könnten wir das Boot in der Karibik lassen und mit dem Flieger nach Hause fliegen. Die Häfen auf den sturmsicheren Südinseln geben aber nur zögerlich ihre Öffnungspläne bekannt. Grenada als eine der bekanntesten Sommerinseln gibt als erste Insel Massnahmen bekannt. Sie erlaubt beispielsweise die Einreise nachdem eine 2wöchige Quarantäne absolviert worden ist. Viele Segler nehmen dies dankend in Kauf und entscheiden sich dafür. Wir können uns mit dieser Lösung nicht anfreunden. Zu unsicher ist die spätere Situation. Vielleicht kommt ein zweiter Lockdown und man hängt so in Grenada fest. Hinzu kommt, dass der Sommer extrem heiss wird hier und wenn man an einen Ort gebunden ist, kann man der Hitze mit Segeln nur schlecht entfliehen. Die ABC-Inseln halten sich bedeckt und es ist nicht klar, wann dort wieder eingereist werden darf. Auch ist nicht klar, ob Flüge von Grenada nach Europa möglich sind. Somit scheidet die Option in der Karibik zu bleiben für uns aus. Zweite Option wäre das Schiff zu verladen und nach Europa transportieren zu lassen. Es werden viele Zusatzschiffe aufgeboten und viele Segler nehmen davon Gebrauch. Ihnen fehlt die Crew für eine Überquerung oder die Zeit. Auch steckt vielen noch die Atlantik-Überquerung in den Knochen und sie haben keine Lust auf die in der Regel schwierigere Rückfahrt. Die Kosten für eine Verschiffung sind allerdings relativ hoch und hinzu kommen noch die Probleme mit den Flügen nach Europa. Es gehen momentan fast keine Flüge und man müsste dann auf der Insel ausharren bis man einen Flug erwischt. Unser Freund Thomas hat dies auch erlebt. Seine Familie reiste bereits vor einigen Wochen mit einem Rückholungsflug ab und er hat das Boot für den Transport hier in der Karibik vorbereitet. Nach dem Verlad musste er sich um die Flüge kümmern und hat einige Tage bei uns auf dem Boot verbracht. Glücklicherweise konnte er mit einem Rückbringer-Flug der Engländer zurückfliegen und die Insel bereits nach 2 Wochen verlassen. Somit war diese Option für uns auch nicht die Richtige und wir entschieden uns schlussendlich für die letzte: Zurücksegeln nach Europa. Wir müssen den langen Weg auf uns zu nehmen und via die Azoren zurück ins Mittelmeer zu segeln. Glücklicherweise haben wir sogar noch Crew gefunden. Tobias und Dominik, ebenfalls aus der Schweiz, begleiten uns auf dem Rückweg. Dies macht die Reise entspannter und vor allem sicherer. Also gesagt getan. Aber alles nochmals der Reihe nach.

Nachdem wir zurück auf Antigua waren und uns in Jolly reichlich mit Vorräten eingedeckt haben, sind wir in den Norden der Insel in die Non Such Bay - Green Island gewechselt. Die Bucht ist wunderschön und lädt zum Verweilen ein. Man kann baden, schnorcheln, tauchen und den Strand geniessen. Zusammen mit unseren Freunden der Oktant, Catua und Tuesdays Child geniessen wir die Zeit da und halten es so auch längere Zeit aus. Zwischendurch machen wir mal einen Ausflug nach English-Harbour um Einkäufe zu tätigen oder unternehmen mit dem Dingi Erkundungstouren zu den umliegenden Riffen. Eine gute Zeit. Wäre da nicht dieses doofe Corona-Virus. Jeden Tag drehen sich die Gespräche unter den Bootsleuten immer um dieses Thema. Neuigkeiten und Pläne der werden ausgetauscht. Catua hat sich mittlerweile entschieden, nach Amerika zu segeln und den Sommer dort zu verbringen. Sie haben ein Visum für die Einreise und für uns kommt deshalb diese Variante nicht in Frage. Der kommende Abschied fällt uns schwer und es werden einige Tränchen vergossen. Wir hoffen, dass wir sie wiedersehen. Tuesdays Child wird gemeinsam mit ihnen nach USA reisen. Oktant verfolgt die gleichen Pläne wie wir. Sie segeln ebenfalls nach Europa und wollen das Boot dann auf La Gomera, eine der kanarischen Inseln, stationieren. Wir koordinieren deshalb die Abreise mit ihnen, um gemeimsam loszusegeln. Unterdessen gilt es noch einiges zu tun. Der Wassermacher hat nach kurzer Zeit bereits wieder den Geist aufgegeben. Ein neuer Elektromotor muss her. Wir bestellen diesen bei einem lokalen Händler und er sollte in ca. 2 Wochen hier seinn. Zusätzlich hat der Motor wieder gestreikt. Die elektronische Einheit, welche wir bereits gewechselt haben, zickt wieder rum und der Motor lässt sich nicht starten. Auch das muss vor der Überquerung noch repariert werden. Die Lösung haben wir erst wenige Minuten vor der Abreise gefunden. Zufälligerweise hatte ein Händler das nötige Teil an Lager und wir konnten es kurz vor Abfahrt einbauen. Dadmit aber nicht genug. Da wir nur einen Motor hatten zum Hafenmanöver in Englisch-Harbour haben wir den Bug touchiert und etwas Fiberglas abgebrochen. Damit wollten wir nicht nach Europa fahren. So haben wir auch noch das Boot auswassern müssen, um dies zu reparieren. Natürlich machen wir dann auch gleich das Antifouling. Es hat soweit alles gut geklappt. Das Geld, welches wir in den Buchten durch selber kochen und keinen Ausgang gespart haben, müssen wir jetzt doppelt ausgeben. Während der Zeit des Auswasserns haben wir uns ein Hotel gegönnt. Es wäre nicht wirklich toll, im Trockendock bei über 30 Grad ohne Klo zu schlafen. Das Hotel hat uns richtig gut getan. Schlafen im riesigen Bett, Zimmer mit Klimaanlage, Duschen mit viel Wasser, Klo mit Spülung - purer Luxus für uns - herrlich... Parallel hat sich das Timing mit unserer Crew angeglichen. Sie mussten auf ihrem Boot ebenfalls noch Reparaturen durchführen und segelten danach von Martinique nach Antigua. Die Einreise gestaltete sich etwas schwierig, doch schlussendlich hat alles geklappt. Sie haben ihr Boot ausgewassert in Jolly und wir haben sie dort aufgegabelt. Für die Crew auch etwas hektisch, aber sie sind ja noch jung und dynamisch :-) Am 28. Mai hiess es dann: Leinen los. Auf über den Atlantik in Richtung Azoren.

Hier sind wir nun. Mitten auf dem Atlantik. Wir konnten bereits 1800 Meilen hinter uns bringen und knapp 700 Meilen stehen noch an. Die Überfahrt hat sich bis jetzt von allen Seiten gezeigt. Bei einem lauen Windchen haben wir uns mehr Wind gewünscht und bei rauher See mit 35 Knoten umgekehrt. Alles in allem kommen wir aber schrittweise dem Ziel näher und die Stimmung an Bord ist gut. Auch haben wir bereits 3 Fische gefangen und damit unseren Speiseplan aufgebessert. Es gab Fisch vom Grill, Sevice und Fisch aus dem Ofen - Lecker. Wir rechnen nun noch mit 5 Tagen bis wir in den Azoren ankommen. Wir freuen uns darauf. Auch wenn die Überfahrt gut verläuft bis jetzt, bleibt es anstrengend mit den Nachtschichten und dem andauernden Schlafmanko. Nachts knarrt, quietscht und knattert es überall. An tiefen Schlaf ist nicht zu denken. Auch wenn man sich an die Geräuschkulisse gewöhnt hat, weckt einem die nächste Welle bestimmt. Das Boot zeigt sich von der besten Seite. Alles funktioniert einwandfrei. Wenns drauf ankommt, kann man sich auf die "loustic" eben verlassen ;-).

Mittlerweile haben wir auch die letzten 5 Tage geschafft und nach 19 Tagen kommen wir in Horta an. Die letzten 3 Tage waren sehr anstrengend. Konstant Wind umd die 30 Knoten und 3 Meter Welle setzen der ganzen Crew zu. Glücklicherweise begleiten uns Domi und Tobias. Ohne sie wäre es für uns fast nicht machbar gewesen und wir hätten abwettern müssen. Andere Boote haben dies getan, sind dann aber auch 2 bis 3 Tage später in Horta angekommen. Gemeinsam hatten wir aber entschieden, dass wir da durchsegeln und so kamen wir wie gesagt nach 19 Tagen in Horta an. Wir wurden jubelnd von Oktankt empfangen, die uns 2 Tage abgenommen hat. Ihre Strategie mit östlicher zu bleiben und die etwas frühere Abfahrt sind aufgegangen.

Die Azoren selber haben uns aber verhalten Empfangen. Wir durften nur im Hafenbecken ankern. Ein Landgang war aufgrund der Corona-Massnahmen nicht erlaubt. Dementsprechend voll war das Hafenbecken. Ca. 80 Boote haben sich auf engsten Raum das geschützte Hafenbecken geteilt. Glücklicherweise waren die Leute aber nett und haben sich sehr gut um die Boote gekümmert. So hat uns Petes Cafe noch am ersten Abend Essen auf das Boot gebracht. Es war lecker nach fast 3 Wochen wieder mal frische Esswaren zu sich zu nehmen. Natürlich wünscht man sich nach 3 Wochen auf See nichts weiter, als endlich an Land zu können. Die Hafenpolizei informiert uns nächsten Tages, dass wir nach einem negativen Covid-Test an Land dürfen. Wir haben Glück, dass sich die Regelungen bei unserer Ankunft gelockert haben. Andere Boote liegen bereits seit 2 Wochen im Hafenbecken. Ich wäre durchgedreht. Am nächsten Tag konnten wir also nach sanftem Druck durch ständiges Nachfragen den Test durchführen. Ein Röhrchen in die Nase und Schleim von Mund, that's it. Der darauffolgende Tag bringt das erhoffte Ergebnis: Negativ. Also nochmals sanftes Nachfassen und etwas "lästig tun" und wir können nach dem Einchecken endlich an Land. Halleluja. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie gut es tut, die Beine nach 3 Wochen auf See zu vertreten. Gemeinsam mit Oktant geniessen wir die Landgänge. Gehen auswärts essen, machen eine Wanderung und erkunden Horta. Auf den Azoren selber scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Die Läden erinnern an die 70ger Jahre. Es gibt keine Ketten wie Mc Donalds und Co. Kleine Läden dominieren das Städtchen. Es ist aufgeräumt und schön anzuschauen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Auch hört man, dass man auf den Azoren die 4 Jahreszeiten an einem Tag erlebt und es hat was. Sonne, Regen, Wind und Flaute wechseln sich ab. Die Landschaft selber erinnert an die Schweiz. Alles ist grün und blüht und die Landschaft hügelig. Es gibt zwar keine Berge, aber eine Wanderung auf dem Vulkan erinnert uns an das Gebirge.

Bereits nach 4 Tagen entscheiden wir uns aber wieder, die Insel zu verlassen und Richtung Gibraltar aufzubrechen. Nochmals 1200 Meilen zu bewältigen und wieder ca. 8 Tage auf See. Es ist zwar weniger als die Hälfte, welche wir hinter uns hatten, die Strapazen lagen uns aber noch in den Knochen und so richtig begeistert war niemand aufzubrechen. Unsere Crew möchte aber zeitig in der Schweiz sein und so bleibt uns nichts anderes übrig. Gesagt getan. Am Montag dem 22. Juni brechen wir auf. Nach dem Auschecken, Mittagessen und uns von den Oktanten zu verabschieden gehts los. Auf in Richtung Gibraltar! Bereits zu Beginn zeigt sich guter Wind und wir kommen rasch voran. Leider begleitet uns auch eine unangenehme Welle und die Nacht wird anstrengend. Hinzu kommt noch, dass wir plötzlich einen Riss im Hauptsegel entdecken. Quer durch das Segel hat sich eine Naht gelöst. Wir müssen mit dem 3. Reff weitersegeln und uns überlegen, wie es weitergeht. Den ganzen Weg im dritten Reff kostet uns mindestens 2 bis 3 Tage länger. Wir wollen ja aber so rasch als möglich ankommen. Deshalb entscheiden wir uns, einen Zwischenstopp in Ponta Delgada einzulegen. Es ist der grösste Hafen der Insel Sao Miguel, welche sich ca. 150 Meilen östlich von Faial befindet. Mit dem Handy künden wir bereits unsere Ankunft an und suchen nach der entsprechenden Hilfe. Alle haben uns sehr freundlich begrüsst. Der Hafen gibt uns kostenlos einen Anlegeplatz und der Segelmacher schiebt unsere Reparatur dazwischen. So können wir bereits nach ca. 7 Stunden den Hafen wieder mit repariertem Segel verlassen. Schon fast rekordverdächtig. So sind wir gleichentags noch in die Nacht gefahren und nähren uns Gibraltar. Der Wind zeigt sich gnädig und bläst meist aus Nord. Auch die Wellen haben sich mittlerweile beruhigt und wir segeln dem Ziel entgegegen.

Die Überfahrt wird angenehm. Die Welle hat sich etwas beruhigt und der Wind bläst stetig, aber nicht zuviel. Wir kommen einigermassen gut voran. Wie immer, wird uns aber auch hier nichts geschenkt und die letzten Meilen müssen wir noch kämpfen. Einerseits gegen die Wellen und andererseits gegen den aufkommenden Wind. Kurz vor der Einfahrt nach Gibraltar bläst er bereits mit 38 Knoten. Wir sind aber schon ca. 20 Stunden nur noch mit Motor unterwegs, da wir sonst nicht vorankommen. Bei der Einfahrt blästs uns dann richtig auf die Nase und wir kommen fast nicht mehr voran. Erst als wir in den Kanal einbiegen schiebt uns die Strömung unserem Ziel entgegen. Der Wind läst hier jetzt auch deutlich nach und als wir in La Linea ankommen werden wir einerseits von einem Delfin begrüsst, andererseits ist das Meer flach und der Wind hat komplett abgestellt. Wir kommen gerade rechtzeitig zur Öffnung des Hafenbüros an. Wir habens geschafft!

Der Rest ist schnell erzählt. Wir wollen der Loustic erst mal etwas Pause gönnen. Sie erhält einen Motorenservice, wird von Salz befreit und auf Vordermann gebracht. Danach fliegen wir für eine Weile in die Schweiz, um nach dem Rechten zu sehen. Riesig Lust haben wir darauf nicht, da wir mit den Corona-Massnahmen nicht richtig warm werden. Aber wir freuen uns darauf, die Familie und Freunde wieder zu treffen.


Antigua
16.4. 4 Stunden 58 Minuten, 32.6 NM
20.4. 3 Stunden 50 Minuten, 19.4 NM
21.4. 2 Stunden 19 Minuten, 10.6 NM
1.5. 1 Stunde 19 Minuten, 7.3 NM
1.5. 3 Stunden 15 Minuten, 15.6 NM
12.5. 4 Stunden 50 Minuten, 12.1 NM
26.5. 3 Stunden 36 Minuten, 19.6 NM
26.5. 1 Stunden 37 Minuten, 7.6 NM

Atlantik
28.5. bis 16.6. 19 Tage, 2591 NM - Atlantik-Überquerung
22.6. bis 23.6. 22 Stunden 52 Minuten, 158.6 NM (Zwischenstopp Ponta Delgada)
23.6. bis 30.6. 6 Tage - Atlantik2 Ponta Delgada - Gibraltar, 1021 NM

Total 3896 NM