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Es läuft harzig, aber es läuft

Nach dem obligaten Besuch von Barcelona mit der Bahnfart über die Stadt und anderen Sehenswürdigkeiten haben wir dann entschlossen, etwas früher auf den vorgängig anvisierten Hafen Porto Ginesta anzusteuern. Einerseits war der Wind gerade gut und andererseits waren in Barcelona Unruhen im Gange, von denen wir zwar nur am Rande etwas mitbekommen haben, aber dennoch ein ungutes Gefühl aufkommen liessen. Der Helikopter kreiste permanent über der Stadt und so war nicht an Schlaf zu denken. So sind wir also am Freitag schon los. Das Segeln kam aber auch wieder etwas zu kurz. Wir mussten aufkreuzen und für die kurze Strecke von wenigen Meilen brauchten wir mehrere Stunden. Gegen Schluss hat der aufkommende Wind richtig Spass gemacht. Gegen Abend kamen wir dann in Porto Ginesta an. Der Hafen selber überzeugt nicht mit seinem Charme, hat aber für Segler eine Topinfrastruktur. Wir wurden bereits für Montag erwartet, um den Schwarzwasser-Tank des Backbord-Klos zu reparieren. Astrid ist mit den Kids zeiterecht vom Hafen abgeholt worden und zum Flughafen chauffiert worden. Am Samstag Nachmittag ist dann Arno zu uns gestossen. Somit ist alles perfekt aufgegangen.

5. Etappe: 7 Stunden, 25.17 NM

In Porto Ginesta war erst mal warten angesagt. Einerseits warten auf den Mechaniker, andererseits warten auf das Wetter. Der Jahrhundertesturm hatte die Küste erreicht und wir mussten 3 Tage abwettern. Es war schön im sicheren Hafen zu liegen, während es vor allem in der Nacht gestürmt hatte. Einheimische berichteten von einem Unwetter. Uns kam es eher wie ein normaler Sturm vor. Auf jeden Fall waren wir im richtigen Hafen. Ab Montag kamen auch pünktlich die Mechaniker und haben den Schwarzwassertank ausgebaut und mitgenommen. Problem war der untere Anschluss des Tanks. Er war zu nahe an der Bordwand und hat sich aufgescheuert. Dadurch kam es zu einem Leck. Wir haben den reparierten Tank am Mittwoch wieder erhalten und bis heute funktioniert er mal. Daumen drücken. Der Duft ist auch wieder angenehm frisch. Gleichzeitig haben wir den Motor vom Dingi auch gleich überholen lassen. Der Mechaniker sagte, es sei fällig gewesen und wir sind wieder gerüstet für weitere Fahrten. Ansonsten haben wir uns mit der Suche nach einem Kabel für das Satelittentelefon beschäftigt und die Gegend etwas unsicher gemacht. Der Hafen bietet aber nicht wirklich etwas sehenswertes und der anliegende Ort Ginesta ist wie ausgestorben. Am Donnerstag haben wir es dann nicht mehr ausgehalten. Der Wind war zwar noch etwas stark, doch wir mussten raus. Wir haben dann segeltechnische auch alles erlebt. Was mit Flaute begann, ist bis zum Abend auf 30 Knoten wind angestiegen. Natürlich wieder aus der falschen Richtung und mit Restwellen der letzten Tage. Egal. Hauptsache wieder mal segeln. Spontanes Ziel der Etappe war Port Bara mit dem gleichnamigen Ort Roda de Bara. Ebenfalls keine Perle von Hafen und vor allem tote Hose. Nichts mehr auf und alles wie ausgestorben. Sogar ein offenes Restaurant für das Abendessen zu finden war nicht einfach. Gefunden haben wir dann etwas, aber ich glaube nicht, dass es irgendwelche Gault Millau Punkte hatte oder jemals bekommen wird. Totmüde und sicher angeleint haben wir aber beruhigt und tief geschlafen.

6. Etappe: 6 Stunden 53 Minuten, 34.32 NM

Nichts hält uns in Roda de Bara. Deshalb früh los. Arno war noch kurz einkaufen und Ursina hat die Hafengebühren bezahlt während ich das Boot ablegefertig gemacht habe. Um 09:18 sind wir dann los mit dem Ziel endlich mal ein paar Meilen abzuspulen. Der Wind hat mittlerweile nachgelassen und die Wellen waren ebenfalls angenehmer. Vielfach lief zwar der Motor, aber wir konnten auch ein paar Stunden segeln. An Bord ist unterdess das Fischen zur Hauptbeschäftigung geworden. Wir haben fast jeden Tag einen Fisch gefangen. Kleine Fische werden sogar grosszügigerweise wieder freigelassen. Noch müssen wir uns aber üben im Filetieren derselben. Wir verfeinern hier noch unsere Techniken. Das Fleisch schmeckt auf jeden Fall sehr gut und wir werden noch zu Selbstversorger. Ziel der längeren Etappe war eine Bucht. Der Wind sollt einschlafen und wir konnten unseren ersten Ankerplatz ansteuern auf dieser Tour. Sant Carles de la Rapita war der gegenüberliegende Ort und die Bucht davor super geschützt. Wir kamen spät in der Nacht an und haben nach dem Ankermanöver nur noch ins Bett wollen. Die Nacht war superruhig. Wahrscheinlich hätte das Boot auch ohne Anker auf der Stelle gehalten. Das haben auch die 10 Millionen Mücken geschätzt, welche auf unserem Boot halt gemacht haben und die nächste Etappe mitfahren wollten. Das war wahrscheinlich der Preise für eine ruhige Bucht.

7. Etappe: 14 Stunden 39 Minuten, 59.39 NM

Drum am nächsten Tag wieder rasch los. Anker hoch und weg. Weiter Richtung Sünden auf dem Weg nach Gibraltar und den Kanaren. Der Wind ist mittlerweile fast gänzlich eingeschlafen und wir motoren viele Abschnitte. Für jede Windhoffnung heisst es Segel hoch, um es danach nach einigen Minuten wieder zu bergen, damit es nicht im Wind und den Wellen schlägt. Auch die neuen Segel bergen wir rasch, wenn wir sie nicht brauchen, um sie nicht unnötig der Sonne auszusetzen. So gibt es wenigstens etwas Fittness an Bord. Da der Wind immer noch so schwach bleiben soll, ankern wir wieder in einer Bucht. Diesmal ohne Mücken, dafür nicht mehr ganz so ruhig, aber immer noch OK. Zu der Bucht selber gibt es nicht viel zu sagen. Sie liegt gleich neben dem Hafen von Oropesa de Mar vorgelagert am Strand. Aber auch hier tote Hose und nicht viel los. Man merkt, dass die Saison vorüber ist. Die Costa Brava lebt definitiv vom Sommertourismus. Eigentlich schade. Das Wetter ist tagsüber meist angenehm warm. Man kann mit kurzer Hose und T-Shirt herumlaufen, während man abends besser eine Jacke anzieht, um nicht zu frieren. Angenehm würden wir Schweizer sagen.

8. Etappe: 9 Stunden 27 Minuten, 38.28 NM

Ziel der heutigen Etappe soll Valencia sein. Wir haben uns entschieden, mal wieder einen Hafen aufzusuchen, um das Boot wieder mal zu reinigen. Von der Überfahrt vor 2 Tagen war immer noch alles voller Salz und die togeschlagenen Mücken hinterlassen auch bereits ihre Spuren. Gesagt getan. Nach einem nicht sehr spektakulären Segeltag mit Abwechslung zwischen Motor und Segeln sind wir am Abend in Valencia eingelaufen. Der Hafen liegt etwas ausserhalb von Valencia und ist neueren Datums. Man spürt nach das Regatta-Feeling und die Infrastruktur ist omnipräsent. Das Abendessen geniessen wir in einer Snackbar und vertreten uns die Füsse am angrenzenden Strand. Auf dem nun sauberen Schiff können wir die erste Nacht verbringen. Am nächsten Tag schauen wir uns die Stadt an. Wir nehmen die Metro für den Weg ins Zentrum. Es dauert ca. 20 Minuten und wir befinden uns in der Metropole von Valencia. Anfänglich laut, stinkend und grau wollen wir nur wieder raus. Wir finden aber schöne Ecken und Gebäude und die Stadt hat ihren Reiz gezeigt. Abschluss war die Markthalle, wo wir uns mit Esswaren eingedeckt haben. Sensationell was es da alles gab. Gute Qualität und faire Preise. Wir haben zugeschlagen, mussten alles aber noch zum Boot tragen. Im Hafen haben wir uns dann noch den nächsten Lidl gesucht, um auch Grundnahrungsmittel wie Reis, Wasser, etc. aufzufüllen. Somit haben wir für die nächsten Tage wieder genug Proviant gebunkert. Morgen geht es früh weiter.

9. Etappe: 10 Stunden 32 Minuten, 46.81 NM

Um 7 Uhr haben wir den Hafen in Valencia verlassen. Unschlüssig welche Strategie die beste wäre, haben wir uns entschieden, den Wind zu nehmen den wir bekommen. Anfangs etwas harzig, nachher aber genial. Mal wieder richtig segeln mit bis zu 10 Knoten Wind und dem Code 0 unterwegs. So macht Segeln Spass. Allerdings stimmt die Richtung nicht ganz und wir haben unseren Plan angepasst. und suchen uns eine Bucht zum Ankern. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, die Nacht durchzusgeln. Aber es zehrt jeweils an den Kräften und wir habens ja nicht eilig. Deshalb halten wir auf den Ankerplatz im Hafen von Xabia aufzusuchen. Gleich neben der Hafeineinfahrt liegt der Strand mit Ankermöglichkeit. Wir kommen bereits im Dunkeln an.

10. Etappe: 12 Stunden 57 Minuten, 52.75 NM

Für den nächsten Tag soll mal perfekter Wind herrschen und wir stehen deshalb früh auf, um eine grössere Etappe machen zu können. Anfänglich hat der Wind dann aber etwas geschlafen, mit jeder Meile dann aber zugenommen. Das optimisch eingesetzte Code 0 konnten wir rasch wieder einpacken und mit der Fock waren wir mit ordentlichen 7 bis 10 Knoten bei ca. 20 Knoten Wind unterwegs. Bereits nach 5 Stunden haben wir knapp 40 Meilen zurückgelegt. Hier konnte das Boot mal seine wahren Qualitäten ausspielen. Perfektes Segeln. Fast keine Wellen und trotzdem ordentlichen Wind. So macht das richtig Spass. Ziel er heutigen Etappe war Cartagena. Wir müssen hier wohl wieder mal abwettern, da ein Tiefdruck hinter dem nächsten durchfegen soll und starke Winde angesagt sind. Mit diesem Speed null Problemo. Leider dreht der Wind gegen Abend und bläst uns auf die Nase. So wird es anstrengend. Wir versuchen aufzukreuzen, entscheiden uns aber dann für die Motorunterstützung. Sonst kommen wir nie an. Spät am Abend sind wir dann angekommen. Keine Menschenseele mehr da, aber wenigstens genügend freie Plätze und wir haben uns selber einen Platz ausgesucht mit Fingerdock. Alle waren froh im Bett zu sein und haben gut geschlafen. Die nächsten Tage hiess es dann Gegend erkunden. Wir haben uns ein Auto gemietet und sind etwas rumgefahren. Es gibt einige schöne Burgen und Ruinen zu sehen, allerdings glänzt Cartagena nicht mit grosser Schönheit und unsere Pläne halten sich in Grenzen. Einzig das Einkaufszentrum am Rande der Stadt ist riesig und lädt zum verweilen ein.

11. Etappe: 12 Stunden 27 Minuten, 68.01 NM